Schmerzhafte Ohrknötchen: Chondrodermatitis Winkler verstehen

Von Dr. med. Robert Kasten

Ein kleines, sehr druckempfindliches Knötchen am Rand der Ohrmuschel ist ein häufiger Grund für einen Besuch beim Hautarzt. Oft stört es vor allem nachts, weil man nicht mehr auf dieser Seite liegen kann. Hinter dieser Veränderung verbirgt sich häufig eine sogenannte Chondrodermatitis nodularis chronica helicis, nach ihrem Erstbeschreiber auch Morbus Winkler genannt. Ich erkläre Ihnen, wie sie entsteht, wie man sie von anderen Hautveränderungen unterscheidet und welche Behandlung möglich ist.

Was ist eine Chondrodermatitis nodularis helicis?

Es handelt sich um eine gutartige, chronische Entzündung der Haut und des darunterliegenden Ohrknorpels. Die Haut am Ohrrand ist sehr dünn und liegt dem Knorpel fast ohne Polster auf. Der Knorpel selbst hat keine eigenen Blutgefäße und wird über die Knorpelhaut versorgt. Wird diese Stelle immer wieder gedrückt, kommt es vermutlich zu einer Minderdurchblutung. Der Knorpel wird geschädigt, und die Haut darüber reagiert mit einer Entzündung und einer Verhornung.

Wer ist betroffen und was begünstigt die Erkrankung?

Meist tritt die Veränderung ab dem 50. Lebensjahr auf, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei Männern sitzt das Knötchen typischerweise am äußeren Ohrrand, der Helix, bei Frauen etwas häufiger an der inneren Ohrfalte, der Anthelix.

Als wichtigster Auslöser gilt Druck. Viele Betroffene schlafen bevorzugt auf der betroffenen Seite oder telefonieren meist mit diesem Ohr. Auch enge Kopfbedeckungen, Kopfhörer oder ein Helm können eine Rolle spielen. Daneben werden langjährige Sonneneinstrahlung und Kälte als begünstigende Faktoren diskutiert. Die genaue Ursache ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.

Woran erkennt man das Knötchen?

Typisch ist ein kleines, rundes Knötchen von wenigen Millimetern Größe, hautfarben bis gerötet, oft mit einer kleinen Kruste oder einer zentralen Hornschuppe. Löst man die Kruste, zeigt sich manchmal ein kleiner Krater. Auffällig ist der starke Druckschmerz, der in keinem Verhältnis zur Größe steht.

Warum sollte man das Knötchen vom Hautarzt ansehen lassen?

Am Ohr können auch Formen des hellen Hautkrebses auftreten, etwa ein Basaliom oder ein Spinaliom, ebenso Vorstufen wie die aktinische Keratose. Diese können einer Chondrodermatitis sehr ähnlich sehen. Deshalb sollte ein Hautarzt das Knötchen untersuchen, in der Regel auch mit dem Auflichtmikroskop. Bestehen Zweifel, gibt die feingewebliche Untersuchung Sicherheit. Bei der operativen Behandlung wird das entfernte Gewebe ohnehin immer untersucht.

Wie kann man die Chondrodermatitis behandeln?

Am Anfang steht immer die Entlastung. Man sollte möglichst auf dem Rücken oder auf der anderen Seite schlafen und beim Telefonieren das Ohr wechseln. Hilfreich kann ein weiches Kissen mit einer Aussparung für das Ohr sein. Bei frischen, kleinen Veränderungen kann eine antientzündliche Behandlung, etwa mit einer kortisonhaltigen Creme oder einer Injektion, die Beschwerden lindern. Häufig reicht das allerdings nicht aus, weil der geschädigte Knorpel bestehen bleibt.

Die dauerhafteste Lösung ist meist die operative Behandlung in örtlicher Betäubung. In unserer Praxis wenden wir dabei eine Methode an, bei der vor allem der veränderte Knorpel abgetragen und die Knorpelkante wieder geglättet und modelliert wird. Die Haut muss dabei oft gar nicht oder nur in geringem Umfang entfernt werden. So bleibt die Form der Ohrmuschel weitgehend erhalten, und das kosmetische Ergebnis ist in der Regel gut. Der Eingriff ist kurz und wird ambulant durchgeführt. Mehr zum Ablauf ambulanter Eingriffe finden Sie auf unserer Seite zur ambulanten Hautoperation.

Kann das Knötchen wiederkommen?

Ja, ein Rückfall ist möglich, vor allem wenn die Stelle weiterhin belastet wird. Um dieses Risiko zu verringern, sollte das Ohr auch nach dem Eingriff entlastet werden. Das bedeutet, nicht auf dieser Seite zu schlafen, beim Telefonieren regelmäßig das Ohr zu wechseln und das Ohr vor starker Sonne und Kälte zu schützen.

Wenn Ihnen ein schmerzhaftes Knötchen am Ohr aufgefallen ist, kommen Sie gerne zu uns in die Sprechstunde. Wir untersuchen die Veränderung gründlich und besprechen mit Ihnen die passende Behandlung.