| Fakten | |
|---|---|
| Häufigkeit | zweithäufigster Hautkrebs nach dem Basaliom, meist im höheren Lebensalter |
| Anzeichen | derber, verhornter oder krustiger Knoten, der wächst, blutet oder schmerzt |
| Typische Stellen | Kopfhaut, Stirn, Ohren, Unterlippe, Handrücken, Unterarme, Unterschenkel |
| Ursache | jahrzehntelange Sonneneinstrahlung, oft aus einer aktinischen Keratose |
| Behandlung | Operation mit feingeweblicher Kontrolle der Schnittränder, im Gesicht mikrographisch kontrolliert |
| Kosten | einzeitige Operation ab etwa 500 EUR, zweizeitiges Vorgehen ab etwa 1.500 EUR |
Das Spinaliom, fachlich Plattenepithelkarzinom der Haut, ist nach dem Basaliom der zweithäufigste Hautkrebs. Es entsteht aus den verhornenden Zellen der Oberhaut und entwickelt sich häufig aus einer aktinischen Keratose, einer Frühform, die auf die Oberhaut beschränkt ist. Beim Spinaliom durchbrechen die Tumorzellen diese Grenze und wachsen in die Lederhaut.
Wird ein Spinaliom früh erkannt und vollständig entfernt, lässt es sich in den allermeisten Fällen heilen. Anders als das Basaliom kann es aber, vor allem wenn es groß oder dick geworden ist, in die Lymphknoten und selten in andere Organe streuen.

Typisch ist ein derber, hautfarbener bis rötlicher Knoten mit einer festen Verhornung oder Kruste an der Oberfläche. Er wächst über Wochen bis Monate, kann bluten oder schmerzen und heilt nicht von selbst ab. Spinaliome entstehen vor allem an Stellen, die viel Sonne abbekommen haben: an der Kopfhaut bei Glatze, an der Stirn, den Ohren, der Unterlippe, den Handrücken, den Unterarmen und bei Frauen häufig an den Unterschenkeln. In der Umgebung finden sich oft weitere raue, schuppende Stellen, also aktinische Keratosen.
Ein Knoten, der neu auftritt und wächst, blutet oder schmerzt, sollte bald von einem Hautarzt untersucht werden.
Das Keratoakanthom ist eine Sonderform. Es kann innerhalb weniger Wochen zu einem kraterförmigen Knoten mit einem Hornpfropf in der Mitte heranwachsen, der an einen kleinen Vulkan erinnert. Manche Keratoakanthome bilden sich von selbst zurück, darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Weil sie sich von einem Spinaliom nicht sicher unterscheiden lassen, werden sie operativ entfernt und feingeweblich untersucht.
Die wichtigste Ursache ist die Sonne, die über Jahrzehnte auf die Haut einwirkt. Betroffen sind vor allem ältere Menschen mit heller Haut und Menschen, die beruflich oder in der Freizeit viel im Freien sind. Ein deutlich erhöhtes Risiko haben Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation oder bei Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken. Spinaliome können außerdem in alten Narben und chronischen Wunden entstehen. Manche Medikamente, zum Beispiel das Entwässerungsmittel Hydrochlorothiazid, machen die Haut lichtempfindlicher und können das Risiko erhöhen. Rauchen erhöht das Risiko für Spinaliome an der Lippe.
Ein Hautarzt untersucht die Stelle mit dem Dermatoskop. Gesichert wird die Diagnose durch die feingewebliche Untersuchung, entweder einer Gewebeprobe oder des vollständig entfernten Tumors. Dabei wird auch beurteilt, wie dick der Tumor ist und ob Merkmale vorliegen, die auf ein höheres Risiko hinweisen. Dazu gehören eine Tumordicke von mehr als sechs Millimetern, ein Durchmesser von mehr als zwei Zentimetern, ein Wachstum entlang von Nerven, die Lage an Ohr oder Lippe und ein geschwächtes Immunsystem. Bei solchen Spinaliomen kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten sinnvoll sein.
Die Behandlung der ersten Wahl ist die Operation. Der Tumor wird mit einem Sicherheitsabstand entfernt, und die Schnittränder werden feingeweblich untersucht, um sicherzugehen, dass nichts zurückgeblieben ist. Im Gesicht, an Ohren und Lippen sowie bei größeren Spinaliomen wird die mikrographisch kontrollierte Chirurgie eingesetzt, bei der alle Schnittränder lückenlos geprüft werden, bevor die Wunde verschlossen wird. Die Operation erfolgt fast immer ambulant in örtlicher Betäubung. Im Gesicht wird die Wunde häufig mit einer Lappenplastik oder einem Hauttransplantat verschlossen.
Ist eine Operation nicht möglich, etwa weil der Tumor sehr groß ist oder schwere Begleiterkrankungen bestehen, kann eine Bestrahlung in Frage kommen. Bei einem flachen Spinaliom kann in ausgewählten Fällen auch eine FRAX-PDT erwogen werden, etwa wenn eine Operation ungünstig wäre. Dabei wird der Tumor zunächst abgetragen, fachlich spricht man von Debulking, und anschließend die verbliebene Fläche mit Laser und photodynamischer Therapie behandelt. Weil dabei keine Schnittränder feingeweblich geprüft werden, ist das Rückfallrisiko höher als nach einer Operation, und die Stelle muss engmaschig kontrolliert werden. Für knotige oder tief reichende Spinaliome ist die FRAX-PDT nicht geeignet.
Nach einem Spinaliom sind regelmäßige Kontrollen wichtig, denn es kann an derselben Stelle wiederkommen, und an anderen Stellen der lichtgeschädigten Haut können neue Tumoren entstehen. Wie oft kontrolliert wird, hängt vom Risiko ab. In den ersten Jahren sind die Abstände kürzer, meist alle drei bis sechs Monate, später werden sie länger. Bei den Kontrollen wird die gesamte Haut untersucht und bei Spinaliomen mit höherem Risiko auch die Lymphknoten. Aktinische Keratosen in der Umgebung sollten mitbehandelt werden. Ein konsequenter Sonnenschutz gehört dauerhaft dazu.
Nicotinamid ist eine Form von Vitamin B3. In Studien senkte die tägliche Einnahme bei Menschen, die bereits hellen Hautkrebs hatten, das Risiko für neue Tumoren, am deutlichsten beim Spinaliom. Die Wirkung scheint am größten, wenn früh nach dem ersten Hautkrebs begonnen wird, und hält nur an, solange man es einnimmt. Bei Menschen nach einer Organtransplantation war der Nutzen in Studien weniger eindeutig. In den Leitlinien ist Nicotinamid bislang nicht allgemein empfohlen. Ob die Einnahme sinnvoll ist, sollte man mit einem Hautarzt besprechen. Gemeint ist Nicotinamid, nicht das ähnlich klingende Niacin, das andere Wirkungen hat.
Untersuchung mit dem Dermatoskop, bei Bedarf Gewebeprobe
Entfernung mit feingeweblicher Kontrolle der Schnittränder
Entfernung der Fäden und Besprechung des feingeweblichen Befunds
Regelmäßige Nachsorge