Sonnenschutz

Illustration Sonnenschutz: Sonnenschirm mit Sonne und eine Tube Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 30 bis 50
Fakten
Reihenfolge Mittagssonne meiden, Kleidung und Hut, Sonnenbrille, Sonnenschutzmittel für den Rest
UV-Index ab 3 Schutz nötig, ab 8 mittags möglichst nicht ins Freie
Sonnencreme UVA- und UVB-Schutz, Lichtschutzfaktor 30 bis 50, großzügig auftragen, nach zwei Stunden und nach dem Baden erneuern
Kinder Säuglinge nicht in die direkte Sonne, Sonnenbrände unbedingt vermeiden
Solarium besser ganz verzichten

Warum ist Sonnenschutz so wichtig?

UV-Strahlung ist die wichtigste vermeidbare Ursache von Hautkrebs. Die Sonne sendet zwei Arten von UV-Strahlung aus, die beide die Haut schädigen. UVB-Strahlung verursacht den Sonnenbrand. UVA-Strahlung dringt tiefer in die Haut ein, geht auch durch Wolken und Fensterglas und lässt die Haut vorzeitig altern. Beide können Hautkrebs auslösen.

Wiederholte Sonnenbrände in Kindheit und Jugend erhöhen vor allem das Risiko für Basaliome und das Melanom. Die über Jahrzehnte gesammelte Sonne führt zu aktinischen Keratosen und Spinaliomen. Auch ein großer Teil der sichtbaren Hautalterung, also Falten, Pigmentflecken und ein unebener Teint, geht auf die Sonne zurück. Sonnenschutz ist deshalb nicht nur Hautkrebsvorsorge, sondern auch ein wichtiger Baustein unseres Skin-Longevity-Konzepts.

Wie schützt man sich richtig?

Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs empfiehlt eine klare Reihenfolge. Sonnencreme steht dabei nicht an erster, sondern an letzter Stelle.

Infografik Sonnenschutz in vier Schritten: Mittagssonne meiden und Schatten suchen, Kleidung und Hut tragen, Sonnenbrille mit UV-Schutz, Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 30 bis 50 für die frei bleibenden Stellen
Erst die Sonne meiden, dann bedecken, dann die Augen schützen und zuletzt die frei bleibende Haut eincremen.
  1. Starke Sonne meiden: Zwischen etwa 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten. In dieser Zeit sollte man möglichst im Schatten bleiben.
  2. Kleidung und Hut: Dichte Kleidung schützt zuverlässiger als jede Sonnencreme. Ein Hut mit breiter Krempe beschattet Gesicht, Ohren und Nacken.
  3. Sonnenbrille: Eine Sonnenbrille mit UV-Schutz schützt die Augen.
  4. Sonnenschutzmittel: Für alle Stellen, die sich nicht bedecken lassen.

Wichtig ist auch: Sonnencreme soll nicht dazu dienen, länger in der Sonne zu bleiben. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert die Schutzzeit aber nicht.

Was sagt der UV-Index?

Der UV-Index gibt an, wie stark die sonnenbrandwirksame Strahlung ist. Er wird täglich zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst veröffentlicht. Ab einem Wert von 3 ist Sonnenschutz nötig, bei Werten von 3 bis 7 sollte man mittags den Schatten suchen, ab 8 mittags möglichst nicht ins Freie gehen. Die Sonne wird häufig unterschätzt: Schon im Frühjahr kann die UV-Strahlung so stark sein wie im Hochsommer, auch bei bewölktem Himmel kommt viel Strahlung an, und Wasser, Sand und Schnee werfen zusätzlich Strahlung zurück.

Wie wendet man Sonnencreme richtig an?

  • Die richtige Sonnencreme wählen: Sie sollte vor UVA- und UVB-Strahlung schützen. Wir empfehlen einen Lichtschutzfaktor zwischen 30 und 50. Beim Baden und Schwitzen ist eine wasserfeste Sonnencreme sinnvoll.
  • Genug auftragen: Die meisten verwenden zu wenig. Als Faustregel braucht man für Kopf und Nacken etwa einen Esslöffel, für den Rumpf zwei, für die Arme zwei und für die Beine vier Esslöffel.
  • Rechtzeitig auftragen: Sonnencremes mit chemischen Filtern etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad, mineralische Filter wirken sofort.
  • Erneuern: nach etwa zwei Stunden, nach dem Baden, nach dem Abtrocknen und bei starkem Schwitzen.
  • Keine alte Sonnencreme: Angebrochene Sonnencreme sollte in derselben Saison aufgebraucht werden.

Mineralische und moderne chemische Filter schützen gleichermaßen gut. Dass einige chemische Filter im Blut nachweisbar sind, bedeutet nicht, dass sie schaden. Ein gesundheitlicher Schaden beim Menschen ist bisher nicht belegt. Sonnencremes aus der Europäischen Union, der Schweiz und den USA erfüllen strenge Sicherheitsvorgaben. Hausgemachte Sonnencremes oder Öle wie Kokosöl bieten keinen verlässlichen Schutz.

Was gilt für Kinder?

Kinderhaut ist besonders empfindlich, und Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Hautkrebsrisiko im späteren Leben deutlich. Säuglinge gehören nicht in die direkte Sonne. Bei Kindern stehen Schatten, Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille an erster Stelle. Für die freien Stellen eignen sich mineralische Sonnencremes, bei denen man am weißen Schimmer erkennt, welche Stellen schon eingecremt sind.

Ist das Solarium eine Alternative?

Nein. Auch die UV-Strahlung im Solarium erhöht das Hautkrebsrisiko und lässt die Haut altern. Ein Vorbräunen schützt kaum vor einem Sonnenbrand. In Deutschland ist das Solarium für Minderjährige verboten. Am besten verzichtet man ganz darauf.

Welche Medikamente machen die Haut lichtempfindlich?

Manche Medikamente verstärken die Wirkung des Sonnenlichts. Dazu gehören bestimmte Antibiotika wie Tetrazykline und Chinolone, das Entwässerungsmittel Hydrochlorothiazid, einige Mittel gegen erhöhte Blutfette und auch pflanzliche Mittel wie Johanniskraut. Schon eine kurze Sonnenbestrahlung kann dann zu Rötung, Schwellung oder einer Art Verbrennung führen. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte sich besonders konsequent schützen und bei einer Hautreaktion einen Hautarzt aufsuchen. Auch das Solarium ist dann tabu.

Was tun bei einem Sonnenbrand?

Ein Sonnenbrand zeigt sich meist einige Stunden nach dem Sonnenbad und erreicht nach etwa einem Tag seinen Höhepunkt. Auch eine leichte Rötung bedeutet, dass die Erbsubstanz der Hautzellen geschädigt wurde. Kühlende Umschläge und eine kortisonhaltige Creme lindern die Entzündung, ein entzündungshemmendes Schmerzmittel kann zusätzlich helfen, sofern man es verträgt. Bei Blasen auf größeren Flächen, Fieber oder Kreislaufbeschwerden sollte man einen Arzt aufsuchen. Die verbrannte Haut sollte bis zur Abheilung vor weiterer Sonne geschützt werden.

Wie bekomme ich genug Vitamin D?

Vitamin D wird mit Hilfe von UVB-Strahlung in der Haut gebildet. Nach der S3-Leitlinie reicht es meist aus, Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche kurz ungeschützt der Sonne auszusetzen, und zwar etwa halb so lange, wie es bis zu einem Sonnenbrand dauern würde. Ein Sonnenbrand ist dafür nie nötig. Sonnencreme verhindert die Bildung von Vitamin D im Alltag kaum, weil sie fast nie so dick und lückenlos aufgetragen wird wie im Labor.

Wer die Sonne konsequent meidet, zum Beispiel nach Hautkrebs oder bei sehr hohem Risiko, kann den Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen lassen und bei einem Mangel Vitamin D einnehmen. Auch insgesamt ist ein vernünftiger Umgang mit der Sonne sinnvoll: weder gedankenloses Sonnenbaden noch völliges Meiden.

Kann man Hautkrebs mit der Ernährung vorbeugen?

Nahrungsergänzungsmittel wie Selen, Vitamin A oder Beta-Karotin schützen nach der S3-Leitlinie nicht vor Hautkrebs. Drei Mittel werden in Studien jedoch diskutiert:

Nicotinamid: Nicotinamid ist eine Form von Vitamin B3. In Studien senkte die tägliche Einnahme bei Menschen, die bereits hellen Hautkrebs hatten, das Risiko für neue Tumoren, am deutlichsten beim Spinaliom, aber auch beim Basaliom. Die Wirkung scheint am größten, wenn früh nach dem ersten Hautkrebs begonnen wird, und hält nur an, solange man es einnimmt. Vor dem Melanom schützt es nach bisherigen Daten nicht. In den Leitlinien ist Nicotinamid bisher nicht allgemein empfohlen. Gemeint ist Nicotinamid, nicht das ähnlich klingende Niacin. Ob die Einnahme sinnvoll ist, sollte man mit einem Hautarzt besprechen.

Kaffee: Mehrere große Beobachtungsstudien und Zusammenfassungen dieser Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig koffeinhaltigen Kaffee trinken, seltener an Basaliomen erkranken, und zwar umso seltener, je mehr Kaffee sie trinken. Auch für das Melanom fand sich ein geringeres Risiko. Bei entkoffeiniertem Kaffee zeigte sich dieser Zusammenhang nicht sicher, und für das Spinaliom ergab sich kein klares Bild. Allerdings handelt es sich um Beobachtungsstudien. Ob der Kaffee selbst schützt oder andere Lebensgewohnheiten eine Rolle spielen, ist nicht bewiesen. Kaffee ersetzt deshalb keinen Sonnenschutz, und wer keinen Kaffee verträgt, sollte deshalb nicht damit anfangen.

Farnextrakt (Polypodium leucotomos): Der Extrakt aus einem mittelamerikanischen Farn wird als Kapsel eingenommen. In Studien machte er die Haut etwas weniger empfindlich gegenüber der Sonne: Bis zur Rötung war etwa ein Viertel mehr UV-Strahlung nötig. Außerdem verringerte er Entzündungsreaktionen in der Haut. Er kann deshalb zum Beispiel bei einer Sonnenallergie, der polymorphen Lichtdermatose, eine sinnvolle Ergänzung sein. Ob er auch vor Hautkrebs schützt, ist beim Menschen bisher nicht belegt. Er ersetzt weder Kleidung noch Sonnencreme.

Was gehört noch zur Vorbeugung?

Neben dem Sonnenschutz ist die regelmäßige Hautkrebsvorsorge wichtig. Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto einfacher lässt er sich behandeln. Wer viele Muttermale hat, schon einmal Hautkrebs hatte oder ein geschwächtes Immunsystem hat, sollte besonders regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Welcher Lichtschutzfaktor ist der richtige?
Wir empfehlen einen Lichtschutzfaktor zwischen 30 und 50 mit Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung. Je empfindlicher die Haut auf die Sonne reagiert, desto höher sollte er sein. Wichtiger als die letzte Stelle des Lichtschutzfaktors ist, dass man genug Sonnencreme aufträgt und sie regelmäßig erneuert.
Mineralischer oder chemischer Filter, was ist besser?
Beide schützen gut. Mineralische Filter werfen das Licht zurück und wirken sofort, hinterlassen aber oft einen weißen Schimmer. Sie werden für Kinder empfohlen. Chemische Filter wandeln das Licht in Wärme um und sollten etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden. Sonnencremes aus der Europäischen Union, der Schweiz und den USA erfüllen strenge Sicherheitsvorgaben.
Sind chemische UV-Filter gefährlich, wenn sie im Blut nachweisbar sind?
Einige chemische Filter werden über die Haut aufgenommen und lassen sich im Blut messen. Nachweisbar heißt aber zunächst nur, dass der Stoff aufgenommen wurde. Ein gesundheitlicher Schaden beim Menschen ist bisher nicht belegt. Der Nutzen des Sonnenschutzes vor Hautkrebs ist dagegen gut belegt.
Kann ich die Sonnencreme vom letzten Sommer noch verwenden?
Besser nicht. Sonnencremes verlieren mit der Zeit an Wirkung, vor allem wenn sie geöffnet und warm gelagert wurden. Eine angebrochene Sonnencreme sollte in derselben Saison aufgebraucht werden.
Bekomme ich mit Sonnencreme zu wenig Vitamin D?
Im Alltag kaum. Kaum jemand trägt Sonnencreme so dick und lückenlos auf wie im Labor, und schon geringe Mengen UVB reichen für die Bildung von Vitamin D. Für eine ausreichende Versorgung genügt es meist, Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche kurz ungeschützt der Sonne auszusetzen, deutlich kürzer, als es bis zu einem Sonnenbrand dauern würde.
Was hilft bei einem Sonnenbrand?
Kühlende Umschläge und eine kortisonhaltige Creme lindern die Entzündung. Ein entzündungshemmendes Schmerzmittel kann zusätzlich helfen, sofern Sie es vertragen. Bei Blasen auf größeren Flächen, Fieber oder Kreislaufbeschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Kann Nicotinamid vor hellem Hautkrebs schützen?
Nicotinamid ist eine Form von Vitamin B3. In Studien senkte die tägliche Einnahme bei Menschen, die bereits hellen Hautkrebs hatten, das Risiko für neue Tumoren, am deutlichsten beim Spinaliom. Die Wirkung hält nur an, solange man es einnimmt. In den Leitlinien ist es bisher nicht allgemein empfohlen, und es ersetzt keinen Sonnenschutz. Ob es für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrem Hautarzt.
Schützt Kaffee vor Hautkrebs?
Mehrere große Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig koffeinhaltigen Kaffee trinken, seltener an Basaliomen und Melanomen erkranken. Bei entkoffeiniertem Kaffee zeigte sich dieser Zusammenhang nicht sicher. Ob der Kaffee selbst schützt, ist allerdings nicht bewiesen. Kaffee ersetzt keinen Sonnenschutz.
Helfen Sonnenschutz-Kapseln mit Farnextrakt?
Kapseln mit dem Farnextrakt Polypodium leucotomos können die Haut in Studien etwas weniger empfindlich gegenüber der Sonne machen und eignen sich zum Beispiel als Ergänzung bei einer Sonnenallergie. Dass sie vor Hautkrebs schützen, ist beim Menschen bisher nicht belegt. Sie ersetzen keinen Sonnenschutz mit Kleidung und Sonnencreme.
So können Sie Hilfe bei uns finden
Kommen Sie gerne zu uns in die Sprechstunde. Wir untersuchen Ihre Haut im Rahmen der Hautkrebsvorsorge und beraten Sie, wie Sie sich am besten vor der Sonne schützen.
Dr. med. Robert Kasten

Verfasst & medizinisch geprüft von

Dr. med. Robert Kasten, Facharzt für Dermatologie

Mitglied: American Society for Dermatologic Surgery, Deutsche Gesellschaft für Dermatochirurgie, Deutsche Gesellschaft für Dermatologie.

Dr. Kasten ist seit 1998 in der ästhetischen und operativen Dermatologie tätig und leitet die Praxis Dr. Kasten Hautmedizin in Mainz.