Melanom (schwarzer Hautkrebs)

Illustration Melanom im Querschnitt: dunkler Fleck in der Oberhaut, Tumoranteil wächst in die Lederhaut, die Tumordicke wird in Millimetern gemessen
Fakten
Was ist das bösartiger Tumor der pigmentbildenden Zellen der Haut
Anzeichen neues oder sich veränderndes Hautmal, unregelmäßig in Form, Rand oder Farbe
Risikofaktoren viele Muttermale, Sonnenbrände, heller Hauttyp, Melanome in der Familie
Untersuchung Dermatoskopie, bei vielen Muttermalen digitale Verlaufskontrolle
Behandlung vollständige Entfernung, danach Nachoperation mit Sicherheitsabstand, ambulant in örtlicher Betäubung
Heilungschancen früh erkannt sehr gut
Kosten Nachoperation ab etwa 800 EUR

Was ist ein Melanom?

Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs oder malignes Melanom genannt, ist ein bösartiger Tumor der pigmentbildenden Zellen der Haut, der Melanozyten. Es ist seltener als der helle Hautkrebs, also das Basaliom und das Spinaliom, aber deutlich gefährlicher, weil es schon früh über Lymph- und Blutbahn streuen kann. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen neu an einem Melanom, und die Zahl ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen.

Ein Melanom kann neu entstehen oder sich aus einem bestehenden Muttermal entwickeln. Es kann an jeder Hautstelle auftreten, auch an Stellen, die selten Sonne abbekommen, etwa an der Fußsohle, zwischen den Zehen, unter einem Nagel oder an der Kopfhaut. Bei Männern findet man es am häufigsten am Rücken, bei Frauen an den Unterschenkeln.

Die gute Nachricht: Die meisten Melanome werden heute in einem frühen Stadium entdeckt. Dann reicht die vollständige operative Entfernung in aller Regel zur Heilung aus.

Illustration Melanom im Querschnitt: unregelmäßiger dunkler Fleck, Melanomzellen in der Oberhaut, ein Tumoranteil wächst in die Lederhaut, die Tumordicke nach Breslow wird in Millimetern gemessen
Ein Melanom wächst zunächst flach in der Oberhaut und später in die Tiefe. Wie dick es ist, bestimmt der Pathologe in Millimetern. Je dünner, desto besser die Heilungschancen.

Woran erkennt man ein Melanom?

Verdächtig ist ein Hautmal, das neu auftritt, wächst oder sich in Form, Farbe oder Begrenzung verändert. Auch Juckreiz, Nässen oder Bluten können Hinweise sein. Zur Orientierung hilft die ABCDE-Regel:

  • A wie Asymmetrie: Das Mal ist nicht gleichmäßig rund oder oval.
  • B wie Begrenzung: Der Rand ist unscharf, ausgefranst oder zackig.
  • C wie Colour (Farbe): Es finden sich mehrere Farbtöne, etwa hell- und dunkelbraun, schwarz, grau oder rötlich.
  • D wie Durchmesser: Das Mal ist größer als etwa fünf Millimeter.
  • E wie Entwicklung: Das Mal verändert sich innerhalb von Wochen oder Monaten.

Ebenso wichtig ist das sogenannte hässliche Entlein: ein Muttermal, das anders aussieht als alle übrigen. Allerdings folgt nicht jedes Melanom diesen Regeln. Knotige Melanome wachsen oft rasch als erhabener, manchmal blutender Knoten, und manche Melanome bilden kaum Farbstoff und erscheinen rötlich oder hautfarben. Umgekehrt können auch gutartige Hautveränderungen wie ein dysplastischer Nävus, eine Alterswarze oder ein pigmentiertes Basaliom einzelne ABCDE-Merkmale zeigen. Die sichere Einschätzung gehört deshalb in die Hand eines Hautarztes.

Welche Formen gibt es?

  • Oberflächlich spreitendes Melanom: die häufigste Form. Es wächst zunächst lange flach in der Oberhaut als unregelmäßiger, mehrfarbiger Fleck.
  • Knotiges Melanom: wächst von Anfang an in die Tiefe, oft als dunkler, manchmal auch rötlicher Knoten. Es kann sich innerhalb weniger Monate entwickeln.
  • Lentigo-maligna-Melanom: entsteht vor allem bei älteren Menschen im Gesicht aus einem langsam wachsenden, unregelmäßig braunen Fleck.
  • Akrolentiginöses Melanom: tritt an Handflächen, Fußsohlen und unter den Nägeln auf. Ein neuer dunkler Längsstreifen im Nagel sollte untersucht werden.

Ist das Melanom noch ganz auf die Oberhaut beschränkt, spricht man von einem Melanoma in situ. Es hat noch nicht gestreut und ist durch die vollständige Entfernung heilbar.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Der stärkste bekannte Risikofaktor ist eine große Zahl an Muttermalen, etwa mehr als fünfzig bis hundert, besonders wenn auffällige, sogenannte atypische Muttermale darunter sind. Der wichtigste äußere Risikofaktor ist die UV-Strahlung. Vor allem Sonnenbrände in Kindheit und Jugend und kurze, intensive Sonnenbelastungen, wie sie im Urlaub vorkommen, erhöhen das Risiko. Auch Solarien stehen im Zusammenhang mit einem höheren Melanomrisiko. Eine Vorbräunung im Solarium schützt nicht.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • ein heller Hauttyp, helle oder rote Haare, helle Augen und Sommersprossen
  • Melanome bei Eltern, Geschwistern oder Kindern
  • ein eigenes früheres Melanom, denn das Risiko für ein zweites Melanom bleibt ein Leben lang erhöht
  • ein geschwächtes Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation

Wie wird ein Melanom festgestellt?

Ein Hautarzt untersucht die gesamte Haut einschließlich Kopfhaut, Fußsohlen und Nägeln. Auffällige Male beurteilt er mit dem Dermatoskop, einem beleuchteten Vergrößerungsgerät, mit dem man durch die oberste Hautschicht hindurch die Strukturen des Pigments erkennt. Hinweise auf ein Melanom sind zum Beispiel ein unregelmäßiges, verdicktes Pigmentnetz, unregelmäßig verteilte Streifen und Punkte am Rand, verwaschene Flecken und blau-weiße Areale. Die Dermatoskopie verbessert nachweislich die Erkennung, besonders bei kleinen und flachen Melanomen.

Dermatoskopische Aufnahme eines frühen Melanoms mit markierten Warnzeichen: unregelmäßige Streifen, verdicktes Pigmentnetz und Flecken
Dermatoskopische Warnzeichen eines frühen Melanoms: unregelmäßige Streifen am Rand (schwarzer Kreis), ein verdicktes Pigmentnetz (gelber Kreis) und Flecken, die die Strukturen verdecken (rote Kreise). Die Tumordicke betrug nur 0,3 Millimeter.

Bei Menschen mit vielen Muttermalen hilft zusätzlich die digitale Videodermatoskopie. Dabei werden auffällige Male vergrößert fotografiert und gespeichert, sodass sich bei der nächsten Untersuchung auch kleine Veränderungen erkennen lassen. Mehr dazu auf unserer Seite zur Hautkrebsvorsorge.

Besteht der Verdacht auf ein Melanom, wird das Hautmal in örtlicher Betäubung vollständig mit einem kleinen Rand entfernt und feingeweblich untersucht. Erst dieser Befund sichert die Diagnose. Bei sehr großen Hautmalen oder an ungünstigen Stellen wie im Gesicht oder an der Fußsohle kann zunächst eine Probe entnommen werden.

Wie wird ein Melanom behandelt?

Die Behandlung der ersten Wahl ist die Operation. Bestätigt der feingewebliche Befund ein Melanom, wird die Narbe noch einmal mit einem Sicherheitsabstand nachoperiert, der sich nach der Tumordicke richtet. Der Abstand gilt jeweils zu jeder Seite, gemessen vom Rand der Narbe: Beim Melanoma in situ genügt ein halber Zentimeter, bei Melanomen bis zwei Millimeter Dicke ist es ein Zentimeter, bei dickeren Melanomen sind es zwei Zentimeter. Ab einer Tumordicke von etwa einem Millimeter, bei Risikomerkmalen auch früher, empfiehlt die Leitlinie zusätzlich die Untersuchung des Wächterlymphknotens.

Die Entfernung und die Nachoperation erfolgen in den meisten Fällen ambulant in örtlicher Betäubung. Im Gesicht und an anderen sichtbaren Stellen wird die Wunde so verschlossen, dass Funktion und Aussehen möglichst erhalten bleiben, bei Bedarf mit einer Lappenplastik oder einem Hauttransplantat.

In höheren Stadien kommen heute zusätzlich Immuntherapien oder zielgerichtete Medikamente in Frage, die das Rückfallrisiko senken können. Sie werden in Hautkliniken und Hauttumorzentren geplant und durchgeführt. Wie es nach der Diagnose im Einzelnen weitergeht, erklären wir auf der Seite Melanom-Diagnose: Wie geht es weiter?

Was kann man selbst tun?

Schauen Sie sich Ihre Haut einmal im Monat in Ruhe an, am besten mit einem Spiegel oder mit Hilfe des Partners, und vergessen Sie Rücken, Kopfhaut, Fußsohlen und die Zehenzwischenräume nicht. Fotos mit dem Smartphone helfen, Veränderungen zu erkennen. Ein neues oder sich veränderndes Hautmal sollten Sie zeitnah einem Hautarzt zeigen.

Der wichtigste Schutz ist ein vernünftiger Umgang mit der Sonne: Sonnenbrände vermeiden, besonders bei Kindern, Kleidung, Hut und Sonnenschutzmittel nutzen und auf Solarien verzichten. Tipps dazu finden Sie in unserem Sonnenschutz-Ratgeber. Für Tabletten zur Vorbeugung gibt es beim Melanom bislang keinen Beleg. Ein schützender Effekt von Aspirin ist nicht gesichert, und Nicotinamid wirkt in Studien beim hellen Hautkrebs, nicht nachweislich beim Melanom.

Ablauf bei Melanomverdacht

  1. Untersuchung der gesamten Haut mit dem Dermatoskop

  2. Entfernung des verdächtigen Hautmals in örtlicher Betäubung

  3. Feingeweblicher Befund und Besprechung

  4. Nachoperation mit Sicherheitsabstand, je nach Tumordicke Wächterlymphknoten

  5. Regelmäßige Nachsorge

Wie gefährlich ist ein Melanom?
Das Melanom ist die gefährlichste Form von Hautkrebs, weil es schon früh über Lymph- und Blutbahn streuen kann. Entscheidend ist, wie tief es in die Haut reicht. Dünne Melanome, die früh entdeckt und vollständig entfernt werden, sind in aller Regel heilbar.
Woran erkenne ich ein verdächtiges Muttermal?
Hinweise gibt die ABCDE-Regel: Asymmetrie, unregelmäßige Begrenzung, mehrere Farben, ein Durchmesser über fünf Millimeter und eine Entwicklung, also Veränderung über die Zeit. Auffällig ist auch ein Mal, das anders aussieht als alle übrigen, das sogenannte hässliche Entlein. Ein solches Hautmal sollten Sie bald einem Hautarzt zeigen.
Kann ein Melanom auch rot oder hautfarben sein?
Ja. Manche Melanome bilden kaum Farbstoff und erscheinen rötlich oder hautfarben. Auch knotige Melanome folgen oft nicht der ABCDE-Regel. Ein neuer Knoten, der innerhalb weniger Wochen wächst, sollte deshalb immer untersucht werden, auch wenn er nicht dunkel ist.
Wird bei Melanomverdacht nur eine Probe entnommen?
In der Regel wird das verdächtige Hautmal vollständig mit einem kleinen Rand entfernt und feingeweblich untersucht. Nur so lässt sich die Tumordicke sicher bestimmen. Bei sehr großen Hautmalen oder an ungünstigen Stellen, etwa im Gesicht oder an der Fußsohle, kann zunächst eine Probe sinnvoll sein.
Wie geht es nach der Diagnose weiter?
Je nach Tumordicke wird die Narbe mit einem Sicherheitsabstand nachoperiert, bei dickeren Melanomen wird zusätzlich der Wächterlymphknoten untersucht. Danach folgt eine regelmäßige Nachsorge über mehrere Jahre. Ausführlich erklären wir das auf der Seite Melanom-Diagnose: Wie geht es weiter?
Wie oft sollte ich meine Haut untersuchen lassen?
Das hängt vom persönlichen Risiko ab. Wer viele oder auffällige Muttermale hat, schon einmal ein Melanom hatte oder Melanome in der Familie hat, sollte regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge gehen, je nach Befund alle sechs bis zwölf Monate. Zusätzlich hilft es, die eigene Haut einmal im Monat selbst anzuschauen.
Kann ich das Risiko mit Tabletten senken?
Dafür gibt es bislang keinen Beleg. Für Aspirin wurde vor einigen Jahren ein schützender Effekt vermutet, spätere Untersuchungen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Nicotinamid senkt in Studien das Risiko für hellen Hautkrebs, für das Melanom ist eine Wirkung nicht gezeigt. Der verlässlichste Schutz bleibt ein vernünftiger Umgang mit der Sonne.
So können Sie Hilfe bei uns finden
Kommen Sie gerne zu uns in die Sprechstunde. Wir untersuchen Ihre Muttermale mit dem Dermatoskop und besprechen mit Ihnen, ob ein Hautmal entfernt werden sollte und in welchen Abständen eine Kontrolle sinnvoll ist. Nach einem dünnen Melanom übernehmen wir auch die Nachsorge, bei höheren Stadien in Zusammenarbeit mit einer Hautklinik, zum Beispiel der Universitätshautklinik.
Dr. med. Robert Kasten

Verfasst & medizinisch geprüft von

Dr. med. Robert Kasten, Facharzt für Dermatologie

Mitglied: American Society for Dermatologic Surgery, Deutsche Gesellschaft für Dermatochirurgie, Deutsche Gesellschaft für Dermatologie.

Dr. Kasten ist seit 1998 in der ästhetischen und operativen Dermatologie tätig und leitet die Praxis Dr. Kasten Hautmedizin in Mainz.