| Fakten | |
|---|---|
| Wichtigster Befund | Tumordicke nach Breslow in Millimetern, dazu Ulzeration |
| Nachoperation | Sicherheitsabstand zu jeder Seite: 0,5 cm (in situ), 1 cm (bis 2 mm), 2 cm (über 2 mm) |
| Wächterlymphknoten | ab etwa 1 mm Tumordicke, bei Risikomerkmalen auch früher |
| Weitere Therapie | in höheren Stadien Immuntherapie oder zielgerichtete Medikamente |
| Nachsorge | in der Regel zehn Jahre, anfangs häufiger, später seltener |
| Kosten Nachoperation | ab etwa 800 EUR |
Wer die Diagnose Melanom erhält, ist meist erst einmal erschrocken. Viele Fragen tauchen oft erst zu Hause auf, wenn sich der erste Schreck gelegt hat. Was bedeutet der Befund genau, was passiert als Nächstes, und wie gefährlich ist die Erkrankung? Hier erkläre ich Ihnen, welche Schritte nach der Diagnose in der Regel folgen. Grundlage ist die S3-Leitlinie zum Melanom.
Zunächst einmal ist wichtig: Die allermeisten Melanome werden heute in einem frühen Stadium entdeckt und vollständig entfernt. In diesen Fällen sind die Heilungsaussichten sehr gut. Allgemeine Informationen zu Anzeichen, Formen und Risikofaktoren finden Sie auf unserer Seite zum Melanom.
Die Diagnose wird nicht mit dem Auge gestellt, sondern am entnommenen Gewebe. Ein Pathologe untersucht das Hautmal unter dem Mikroskop. Am wichtigsten ist die Tumordicke nach Breslow. Sie gibt in Millimetern an, wie tief das Melanom in die Haut reicht. Daneben wird beurteilt, ob die oberste Hautschicht über dem Tumor aufgebrochen ist. Dieses Merkmal nennt man Ulzeration. Außerdem wird festgehalten, ob der Tumor vollständig entfernt wurde und um welche Form des Melanoms es sich handelt. Ist das Melanom noch ganz auf die Oberhaut beschränkt, lautet der Befund Melanoma in situ.
Aus diesen Angaben ergibt sich zusammen mit den weiteren Untersuchungen das Tumorstadium. Es ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Bei der ersten Entfernung schneidet man ein verdächtiges Hautmal mit einem kleinen Rand heraus. Steht die Diagnose fest, wird die Narbe noch einmal mit einem festgelegten Sicherheitsabstand entfernt. Das senkt das Risiko, dass das Melanom an derselben Stelle wiederkommt. Der Abstand richtet sich nach der Tumordicke und gilt jeweils zu jeder Seite, gemessen vom Rand der Narbe. Ein Zentimeter Sicherheitsabstand bedeutet also einen Zentimeter rundherum:
Im Gesicht und an anderen schwierigen Stellen kann im Einzelfall davon abgewichen werden, dann wird häufig die mikrographisch kontrollierte Chirurgie eingesetzt.
Die Nachoperation lässt sich in den meisten Fällen ambulant in örtlicher Betäubung durchführen. Im Gesicht und an anderen sichtbaren Stellen achtet man darauf, die Wunde so zu verschließen, dass Funktion und Aussehen möglichst erhalten bleiben. Dafür kommen Nähte, Lappenplastiken oder Hauttransplantate in Frage.
Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten im Abflussgebiet des Melanoms. Ab einer Tumordicke von etwa einem Millimeter, bei Risikomerkmalen wie einer Ulzeration oder jüngerem Alter auch bei etwas dünneren Melanomen, empfiehlt die Leitlinie, ihn zu untersuchen. Er wird mit einer schwach radioaktiven Markierung aufgespürt, in einer Klinik entnommen und feingeweblich untersucht. Das Ergebnis hilft, das Stadium genauer festzulegen und zu entscheiden, ob eine weitere Behandlung sinnvoll ist. Bei dünnen Melanomen ist dieser Eingriff meist nicht notwendig.
Bei sehr dünnen Melanomen genügt in der Regel die gründliche körperliche Untersuchung. Ab einem etwas höheren Stadium kommt eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten hinzu, in fortgeschrittenen Stadien auch Schnittbildverfahren wie Computer- oder Kernspintomographie und Blutuntersuchungen. Welche Untersuchungen in Ihrem Fall sinnvoll sind, richtet sich nach dem Befund.
In frühen Stadien ist die Operation die einzige Behandlung, eine weitere Therapie ist nicht notwendig. Bei dickeren Melanomen oder wenn Lymphknoten befallen sind, kann nach der Operation eine sogenannte adjuvante Therapie das Rückfallrisiko senken. Eingesetzt werden heute vor allem Immuntherapien, die die körpereigene Abwehr gegen die Tumorzellen stärken, und bei bestimmten Veränderungen im Erbgut des Tumors zielgerichtete Medikamente. Auch bei Absiedelungen in anderen Organen haben diese Behandlungen die Aussichten in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die klassische Chemotherapie spielt kaum noch eine Rolle. Diese Therapien werden in Hautkliniken und Hauttumorzentren geplant und durchgeführt.
Nach einem Melanom folgt eine regelmäßige Nachsorge, die die Leitlinie über zehn Jahre vorsieht. In den ersten Jahren finden die Kontrollen häufiger statt, je nach Stadium alle drei bis sechs Monate, später alle sechs bis zwölf Monate. Bei jeder Nachsorge wird die gesamte Haut untersucht, Narbe und Lymphknoten werden abgetastet, und je nach Stadium kommen Ultraschall oder weitere Untersuchungen hinzu.
Die Nachsorge dient nicht nur dazu, einen Rückfall früh zu erkennen. Wer ein Melanom hatte, hat auch ein erhöhtes Risiko für ein zweites Melanom an anderer Stelle. Deshalb ist die regelmäßige Untersuchung aller Muttermale mit dem Dermatoskop ein wichtiger Baustein. Zusätzlich hilft es, die eigene Haut einmal im Monat selbst anzuschauen und auf neue oder sich verändernde Hautmale zu achten. Ein konsequenter Sonnenschutz gehört dauerhaft dazu. Weil Melanome in manchen Familien gehäuft auftreten, ist es sinnvoll, auch Eltern, Geschwister und Kinder auf eine Hautkrebsvorsorge hinzuweisen.
Besprechung des feingeweblichen Befunds
Nachoperation mit Sicherheitsabstand
Je nach Tumordicke Wächterlymphknoten und weitere Untersuchungen
In höheren Stadien Planung einer weiteren Therapie im Hauttumorzentrum
Regelmäßige Nachsorge über zehn Jahre